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Kultur Kreativ Europa kulturkreativ: Ergebnisse der Umfrage in Frankreich
von Martin Frischknecht, Herausgeber der Zeitschrift "Spuren" / Schweiz

Der amerikanische Soziologe Paul Ray führte vor zehn Jahren in den USA eine breit angelegte Umfrage durch, die aufhorchen ließ und mit einem Schlag eine Gruppe der Bevölkerung ins Rampenlicht rückte, die es zuvor so nicht gab: die Kulturkreativen. Sie gehören weder zum Lager der Liberalen noch zu dem der Konservativen. Spirituell sind sie höchst aufgeschlossen, doch den Kirchen sind sie fremd. Nahezu ein Viertel aller US-Amerikaner sind nach den Erkenntnissen von Ray dieser wachsenden Gruppe zuzurechnen, während sich die altbekannten Lager zurückbilden. Jetzt ist der Funke über den Atlantik gesprungen. "Vive les créativs culturels"" heißt es seit neustem in Frankreich. In der Ausgabe Februar 2007 der Zeitschrift "Psychologies" (vom Themenspektrum her am ehesten mit "Psychologie Heute" vergleichbar) wurden Ergebnisse dieser ersten repräsentativen Studie zu den Kulturkreativen in Europa zusammenfassend veröffentlicht. Befragt wurden insgesamt 1115 Personen im Alter von mindestens 15 Jahren. Teilt man die Befragten in fünf Gruppen ein, zeigt sich, dass immerhin 17% den Kulturkreativen zugerechnet werden dürfen. Die weiteren Gruppen sind: Kreative Individualisten (21%), Unruhige (23%), Neue Konservative (20%) und die Zurückgezogenen (18%).

Die Gruppe der Kreativen Individualisten steht der der Kulturkreativen von allen anderen am Nächsten, da sie deren Grundwerte teilen. Sie unterscheiden sich von ihnen lediglich durch einen Mangel an spirituellen Werten und durch eine andere Vorgehensweise: sie sind zwar auch ökologisch interessiert bis engagiert, haben aber keinerlei Bindung an Gruppen und Verbände, um diese Interessen in der Welt auch durchzusetzen. Zusammen mit der Gruppe der Kulturkreativen ergibt das eine Stärke von 38% aller Begfragten. Die Unruhigen sind gebildet und als Verdiener und Konsumenten stark im System integriert, in dem sie ihre Karriere verfolgen, sie haben keine spirituelle Interessen.

Einige markante Umfrageergebnisse im Einzelnen: 70% aller Befragten haben schon einmal ein Seminar zur Persönlichkeitsentwicklung besucht und bezeichnen diese Erfahrung als prägend für ihre Leben (in der Gruppe der Kulturkreativen sogar: 86%). 72% beschäftigt die ökologische Frage (KK: 94%). 63% sehen eine direkte Verbindung zwischen ihrem eigenen Komsumverhalten und dem Zustand der Umwelt (KK: 80%). 78% denken, Frauen sollten in der Gesellschaft leitende Positionen einnehmen und eine bedeutende Rolle in der Politik spielen (KK: 93%). 72% erklären sich für hilfsbereit - und helfen anderen Menschen auch tatsächlich (KK: 87). 69% denken, alternative Formen der Medizin sollten in der Gesellschaft und deren Institutionen eine bedeutendere Rolle spielen (KK: 82%). "Psychologies", die sich kurzerhand zur altgedienten Bannerträgerin der KK erklärt, ergänzt den Beitrag mit einer zweiseitigen Kurzumfrage, mit der die Leser und Leserinnen herausfinden können, welcher der Gruppen sie angehören. Die unter der Ägide des französischen Soziologen Jean-Pierre Worms und mit Hilfe des Club of Budapest durchgeführte Studie zeigt, dass Paul Rays Aussagen in Europa bestätigt werden können, sie zeigt aber auch, dass der Terminus Kulturkreativ die Ohren der Franzosen befremdet und wohl eine allzu wörtliche Übernahme des amerikanischen Begriffs von Ray ist.

Auf die Frage, was die Kulturkreativen von den coolen und friedensbewegten Erben der Hippiezeit unterscheide, antwortete Yves Michel, Inititator der französischen Studie und Herausgeber von "Psycholgies": "Die 68er sind eine der Wurzeln der Kulturkreativen. Während es damals aber eine Studenten- und Jugendbewegung war, verteilen sich die Kulturkreativen heute über sämtliche Altersstufen. Die Hippies und Friedensbewegten befanden sich am Rande der Gesellschaft, die Kulturkreativen stehen in deren Mitte und können als gut integrierte Bürger bezeichnet werden. Daraus ergibt sich, das es ihnen im Vergleich zu ihren Vorläufern auch nicht sonderlich schwer fällt, ihre Werte und Anliegen in die Gesellschaft zu tragen und sie durchzusetzen."

Eine ausführliche Dokumentation der Umfrageergebnisse ist als Buch erschienen: Les Créativs Culturels en France, Editions Yves Michel, Gap 2007, ISBN 978-2-913492-44-8. Weitere Studien in Europa sind geplant oder bereits unterwegs: Ungarn und Italien haben die Umfrage bereits durchgeführt, Deutschland, die Niederlande und Norwegen sollen folgen.

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Evolution der integralen Kultur
Mediengruppe Kulturell Kreative
Wer lebt den Wandel?
Europa kulturkreativ: Ergebnisse der Umfrage in Frankreich

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