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Wir leben in paradiesischen Zuständen
„brand eins“-Gründerin Gabriele Fischer sprach mit Götz W. Werner, dem Gründer der dm-Drogeriemärkte, über seine Vision eines Gemeinwesens, in dem arbeitet, wer will.

Gabriele Fischer, Götz W. Werner

Nie zuvor waren die Menschen so gut mit Gütern und Dienstleistungen versorgt wie heute – zumindest in der westlichen Welt. Zugleich droht das soziale Gefüge zu zerspringen. Schwindelnde Mengen von Geld irrlichtern stündlich über den Globus und reißen die Schere zwischen Arm und Reich immer schneller auf, während sich Arbeit, Rente, Gesundheit & Co. zu Problemfeldern entwickeln, denen mit konventionellen Mitteln nicht mehr beizukommen ist. Der Fehler liegt im Festhalten an alten Vorstellungen, meint Götz W. Werner, der Gründer der dm-Drogeriemärkte. Gabriele Fischer, Chefin des Wirtschaftsmagazins brand eins, sprach mit dem Manager über dessen radikale Vorstellungen, unter anderem über – das Bürgergeld!


Gabriele Fischer: Mit der Arbeitslosigkeit steigt die Hilf-losigkeit. Sie haben eine Vision, wonach sich die Probleme mit einer Kopplung aus Grundeinkommen und Konsumsteuer lösen ließen …

Götz Werner: Das ist das Ergebnis meiner Überlegungen – der Ausgangspunkt ist ein anderer: Wenn man über Wirtschaft spricht, muss man zwischen gesamt- und einzelwirtschaftlichen Aspekten, zwischen Volks- und Betriebswirtschaft unterscheiden. Das wird leider gern versäumt. Unter gesamtwirtschaftlichen Gesichtspunkten geht es um das Gemeinwohl. Unter einzelwirtschaftlichen Aspekten müssen wir das Wohl eines Unternehmens, einer Arbeitsgemeinschaft im Auge haben. Da liegen die Probleme dann oft anders.

Einverstanden.

Noch grundsätzlicher gedacht, hat die Wirtschaft zwei Aufgaben. Die eine, die betriebswirtschaftliche Aufgabe, ist es, die Menschen mit konsumfähigen Dienstleistungen und Gütern zu versorgen – das gelang noch nie so gut wie heute, zumindest in den entwickelten Volkswirtschaften. Wir leben heute in einem Einkaufsparadies, das heißt, unsere Fähigkeit, Güter und Dienstleistungen hervorzubringen, ist größer als die Bedürfnisse der Menschen. Die andere, die gesamtwirtschaftliche Aufgabe ist, die Menschen mit Einkommen zu versorgen.

Damit sie diese Güter auch konsumieren können?

Ja, sonst funktioniert Wirtschaft nicht. Nehmen wir einmal an, dass wir beide, weil wir so clever sind, die ganze Güterversorgung durch vollautomatische Fabriken sicherstellen könnten. Alles ist automatisiert, kein Mensch müsste mehr für die Herstellung dieser Güter arbeiten. Was müssten wir dann tun? Wir müssten die Menschen mit Geld versorgen oder mit Bezugsberechtigungen – Geld ist ja nichts anderes – damit uns die Menschen all unsere Produkte aus den vollautomatischen Fabriken abkaufen können. Und auch wenn eine solche Fabrik noch Utopie ist – genau dort steuern wir hin: Die Produktivitätsentwicklung hat die Bedürfnis-entwicklung längst überholt, wir haben gesättigte Märkte, und wir brauchen immer weniger Menschen um dieses Übermaß an Gütern zu produzieren. Jetzt ist der Moment gekommen, in dem wir uns vom Zwang zur Arbeit befreien können.   [mehr]

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