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Die Wissenschaft und die Unkonventionellen – gesellschaftlicher Wandel durch Kulturkraft Ein Feature aus der Phase des Übergangs in der WissensgesellschaftArnim Bechmann |
Ein neues Zeitalter kündigt sich an, wenn auch unter Schmerzen. Umwoben von Sehnsüchten nach kultureller Regression und nach politischer Restauration. Dies stiftet in den Köpfen vieler Menschen Verwirrung. In den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, hat Zukunftsforschung ihr Selbstbewusstsein verloren. Sie konstatiert neben Modetrends bestenfalls noch Trendentwicklung der Auflösung, Globalisierungsprozesse und wachsende Umweltzerstörung. Stabile, sich vorwärts entwickelnde Zukunftsgesellschaften erscheinen ihr seither nicht mehr seriös vorstellbar (vgl. Bechmann, 1998). Die Spaßgesellschaft, die zugleich die brutalste Gesellschaft der Sinnverweigerung ist, die die Welt je bevölkert hat, wehrt sich, dies ernsthaft zur Kenntnis zu nehmen, oder sogar daraus Folgerungen für ihre eigene Entwicklung zu ziehen.
Doch in dem, scheinbar Untergang, politischer Restauration oder der Vergöttlichung der Ökonomie zu strebenden Lauf gesellschaftlicher Entwicklung zeichnen sich tiefgreifende Strukturumbrüche und evolutionäre Veränderungen ab.
Einen eindeutigen und signifikanten Indikator für diesen Wandel bildet das Auftreten der gesellschaftlichen Gruppierung der Kultur-Kreativen. Als Kultur-Kreative wird hier eine Gruppe von Menschen bezeichnet, die offensichtlich in allen Industriegesellschaften in wachsendem Umfang anzutreffen ist und die neue Werthaltungen und Verhaltensmuster zu Tage legt (vgl. Abschnitt 4.3).
Das Auftreten der Kultur-Kreativen als neuer, gesellschaftliche Entwicklung beeinflussender Faktor, der global zu verzeichnenden Bedeutungszuwachs der Zivilgesellschaft (vgl. Abschnitt 4.2), die offensichtliche Metamorphose moderner Industriegesellschaften zu Wissensgesellschaften sowie der immer deutlicher werdende Wandel des naturwissenschaftlichen Weltbildes geben - insbesondere, wenn man sie in ihrem Zusammenwirken betrachtet - klare Hinweise auf das Heranwachsen neuer Gesellschaftsstrukturen, die sich grundlegend von denen des 20. Jahrhunderts unterscheiden werden (vgl. Abschnitt 4). Noch sind die sich zart herausbildenden Konturen dieser Zukunftsgesellschaft nicht für Jedermann offensichtlich. Wir werden tiefe Krisen durchlaufen müssen, bevor der Übergang in eine neue Zeit vollzogen sein wird.
Und dennoch, die Zukunft muss heute nicht nur als Bedrohung wahrgenommen werden, sondern sie kann vielmehr als Chance humaner, globaler Entwicklung erlebt werden. Die großen Strukturumbrüche, die unsere Gesellschaft seit gut drei Jahrzehnten durchlebt, lassen sich als „schleichende kulturelle Transformation“ deuten.
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